Medienmitteilungen

4. Juni 2024

24 Stunden auf Artensuche
Tag der Natur in den Merian Gärten

Biber, Fuchs, Orchideen und seltene Käfer: Die Merian Gärten sind ein Ort der Erholung für den Menschen und zugleich ein Ort wilder Natur. Doch wer lebt hier eigentlich? Am Tag der Natur sind rund 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Naturhistorischen Museum Basel, den Merian Gärten und der ganzen Schweiz in den Magerwiesen, am Wasser und in den Hecken unterwegs, um 24 Stunden lang möglichst viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten aufzuspüren, zu bestimmen und zu dokumentieren. Die Besucherinnen und Besucher erwartet am 15. und 16. Juni ein spannendes Programm: Sie können den Fachleuten Tag und Nacht bei der Bestimmungsarbeit über die Schulter schauen, die neuesten Funde bestaunen, an Führungen und der Kinder-Rallye teilnehmen oder sich an der Lagerfeuerküche und der Sommerbar entspannen.

Die Merian Gärten sind ein Rückzugsort für Mensch und Natur. Fast die Hälfte der Gartenfläche steht unter Naturschutz. Neben den gepflegten Beeten gibt es Wälder, Wildhecken, Weiden, Magerwiesen, Totholzstrukturen, Teiche und Quellen – eine grosse Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume.

Erforschen, was vor der Haustür kreucht und fleucht
Am Tag der Natur verwandeln sich die Merian Gärten in eine riesige Forschungsstation unter freiem Himmel. Rund 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Naturhistorischen Museum Basel, den Merian Gärten und der ganzen Schweiz sind auf der Pirsch, um die Flora und Fauna zu untersuchen. Darunter sind auch Expertinnen und Experten für weniger bekannte Organismengruppen wie Blattflöhe, Moose, Zikaden oder nachtaktive Weberknechte. Die Fachleute bringen Fangnetze, Cacher, Mikroskope, Leuchtfallen und vieles mehr mit, um die Organismen aufzuspüren und zu bestimmen. Das Publikum erlebt Forschung live. Die Frage, die alle bewegt: Wie viele Arten finden wir in 24 Stunden und welche gehen ins Netz?

Spannendes Rahmenprogramm für Familien, Laien und Naturinteressierte
Kleine und grosse Naturfreunde können den Fachleuten bei der Bestimmungsarbeit über die Schulter schauen, die neuesten Funde bestaunen und sich all ihre Fragen beantworten lassen. Auf Kurzführungen wird klar, wie nachtaktive Insekten angelockt und Spinnen gefangen werden, wie Heuschrecken sprechen oder wie die verborgene Welt der Moose aussieht. An verschiedenen Stationen können Mauersegler, Bodentiere und vieles mehr beobachtet werden. Für Kinder gibt es eine Rallye, bei der sie selbst zu Forscher:innen werden. Die Sommerbar der Birtel Biermanufaktur, eine Lagerfeuerküche mit rustikaler Verpflegung oder Popcorn vom offenen Feuer versprechen gemütliches Verweilen. Und wie wäre es mit einem Safarifrühstück um 7 Uhr, bei dem man den Sonntag erwachen sieht?

Am ersten Tag der Natur im Juni 2017, der ebenfalls in Kooperation mit dem Naturhistorischen Museum stattfand, wurden innerhalb von 24 Stunden 1349 verschiedene Arten in den Gärten entdeckt. Darunter waren auch sehr seltene Arten wie der Bockkäfer Xylographus bostrichoides, der in der Schweiz vorher erst einmal nachgewiesen wurde und zwei Erstfunde für die Schweiz, die parasitische Wespe Ormyrus salmanticus und der Hundertfüsser Lithobius (Lithobius) salicis.

Tag der Natur in den Merian Gärten
Samstag, 15. Juni bis Sonntag, 16. Juni, 16 bis 16 Uhr, Eintritt frei
Forschung live: 24 Stunden lang erforschen rund 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, welche wilden Tiere, Pflanzen und Pilze in den Merian Gärten leben. Mit Kurzführungen, Kinder-Rallye, Expertentisch und vielem mehr.
Eine Kooperation der Merian Gärten und dem Naturhistorischen Museum Basel.
Programm


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Fortpflanzung bleibt noch länger Thema

2. April 2024

Naturhistorisches Museum Basel verlängert Ausstellung «SEXY – Triebfeder des Lebens»

Die Sonderausstellung «SEXY – Triebfeder des Lebens» im Naturhistorischen Museum Basel wird verlängert und bis am Sonntag, 30. Juni 2024 zu sehen sein. Das Thema Fortpflanzung im Tierreich findet grossen Anklang, insbesondere bei Schülerinnen und Schülern. Die Verlängerung ermöglicht es, Schulklassen aller Stufen zusätzliche Schulworkshops und Führungen anzubieten. Die Sonderausstellung richtet ihr Augenmerk auf die Frage, welche Strategien Tiere im Kampf um das Objekt ihrer Begierde einsetzen. Dabei zeigt sich: Tierische Verhaltensweisen, Paarungsarten und Familienmodelle sind äusserst vielfältig, weil es Geschlechter gibt.

Seit rund fünf Monaten zeigt das Naturhistorische Museum die Sonderausstellung «SEXY – Triebfeder des Lebens». Die Ausstellung, die am 10. November 2023 eröffnet wurde, hat bislang rund 40'000 Besucherinnen und Besucher angelockt. Insbesondere bei Schulklassen ist die Ausstellung sehr beliebt. Deshalb hat das Museum beschlossen, die Ausstellung bis zu den Sommerferien zu verlängern. Damit bietet sich für zahlreiche Schulklassen die Gelegenheit, in den nächsten Wochen einen Museumsbesuch einzuplanen. Zum Beispiel können die Workshops «Wundertüte Tierfamilie» für die Kleinsten, «Wilde Zeiten!» für jüngere sowie «Einmalig im Taubenschlag» für ältere Jugendliche besucht werden. Die Führung «Sinnlos sexy?», die sich an Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Stufe richtet, sorgt für einen wohltuenden Perspektivenwechsel auf die Thematik des Geschlechts. Die Fragen, wozu Sex im Tierreich gut sein soll, wenn die geschlechtliche Fortpflanzung im Tierreich doch mit erheblichem Aufwand und mit zum Teil grossen Risiken verbunden ist und ob auch bei Tieren Lust im Spiel ist, sorgen für angeregte Diskussionen.

Geschlecht als Treiber der Evolution
Die Welt der Tiere ist farbenprächtig und formenreich. Warum ist das so? Unterschiedliche Geschlechter, die sich für die Fortpflanzung zusammentun, sind ein Grund dafür. Bezüglich ihrer biologischen Merkmale und Interessen unterscheiden sie sich voneinander. Ob bei der Partnerwahl, der Konkurrenz zwischen Geschlechtsgenossen, der Paarung oder der Elternrolle: Geschlechterunterschiede der Tiere treiben die Evolution an mit dem Ergebnis einer grossartigen Vielfalt.

Das Geschlecht als Taktgeber
Die Sonderausstellung «SEXY – Treibfeder des Lebens» veranschaulicht diese Vielfalt und zeigt auf, welche Rolle Geschlechter dabei spielen. Dabei zeigt sich: Manche Tiere haben zwei Geschlechter, andere keines oder gar mehrere. Es gibt Tiere, die ihr Geschlecht wechseln oder gleichzeitig über zwei Geschlechter verfügen. Allen gemeinsam bleibt: Sie wollen Nachkommen zeugen. Mit verblüffenden Geschichten, beeindruckenden Präparaten und interaktiven Elementen führen wir vor Augen, dass Tiere keinen Aufwand scheuen, um Nachkommen in die Welt zu setzen: Sie tanzen um die Wette, zeigen sich in ihrem prächtigsten Kleid und geizen nicht mit ihren Reizen. Sie legen sich unerschrocken mit ihrer Konkurrenz an, um die Lust des Stärkeren zu geniessen und am Ende als fürsorgliche Eltern über ihre Jungtiere zu wachen. Doch auch hier folgt die Rollenverteilung nicht immer einem eindeutigen Muster: Familienmodelle im Tierreich sind der Zeit voraus und kennen längst unterschiedliche Formen.

Familienausstellung mit Vertiefungsebene für Erwachsene
Die Ausstellung ist für Kinder und Erwachsene gleichermassen spannend: Während Erwachsene über die Vielfalt der Paarungsarten und über Lust und Frust beim Liebesspiel der Tiere in Staunen versetzt werden, können Kinder ausprobieren, wie es sich anfühlt, im Schutz eines Bauches, in einem Ei oder Beutel heranzuwachsen. Anhand zahlreicher Präparate von Jungtieren wird erzählt, wie den jungen Tieren der Start ins Leben gelingt und wer ihnen den Weg ebnet, um erwachsen zu werden.

Familiensonntag mit tollem Programm
Der Familiensonntag vom 28. April mit dem Titel «Das grosse Tierfamilienfest» wird garantiert ein spannendes Familienfest. Man kann an einem Workshop des Braswell Arts Center das Tanzbein schwingen, auf einer digitalen Schnitzeljagd durchs Museum flitzen, Arme oder Hände mit tierischen Tattoos verzieren oder wohlriechende Geschenke kreieren. Der Eintritt ans Fest ist kostenlos, und fürs leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt.

Sexy Tiere, Klugscheisser und Clubbing im Museum

4. Dez. 2023

Naturhistorisches Museum Basel verleiht seinen After Hours ein Fresh-Up

Am kommenden Donnerstag startet das Naturhistorische Museum Basel seine AFTER HOURS-Abende mit neuem Schwung: Die Sonderausstellung «SEXY – Triebfeder des Lebens» ist bis nachts um 23 Uhr geöffnet, in der Bar legen unterschiedliche DJs unter der Programmation von D. Haze The Blaze auf und im «Klub der Klugscheisser» legen sich Neunmalkluge miteinander an und behaupten, was das Zeug hält.

Wenn abends die Lichter im Museum länger brennen als üblich, lädt das Haus offiziell zum Chillen ein.

Die Sonderausstellung ist an den AFTER HOURS-Abenden kostenlos bis um 23 Uhr geöffnet, und an der Bar des Museums, die inzwischen den Status «Geheimtipp» weit hinter sich gelassen hat, kann debattiert, diskutiert und erlebt werden, was ein Museum auch sein kann: Treffpunkt und Erlebnisort voller Dynamik, Überraschung und Humor.

Diese Attribute hat sich das Team des Museums denn auch auf die Fahne geschrieben, als es über eine Auffrischung des inzwischen über zehnjährigen Formats der AFTER HOURS nachgedacht hat. Herausgekommen ist dabei ein Event, der als Zusatzangebot besucht werden kann. Im «Klub der Klugscheisser» treffen Besserwisser, Grossmäuler und Worthelden auf Altkluge, Phrasendrescher und Möchtegernwissenschaftler, liefern sich ein veritables Duell und versuchen, beim Publikum zu punkten. Wer erkennt, ob da ein Showman oder eine seriöse Wissenschaftlerin auf der Bühne steht? Der «Klub der Klugscheisser» bietet wahres Scientainment: Wissenschaftskommunikation auf unterhaltsame und doch lehrreiche Weise.

Nebst dem «Klub der Klugscheisser» heizen neu immer wieder andere DJ’s und DJanes in der Bar ein und verwandeln einen Ausstellungsraum in einen Club. Die Programmation liegt in der Hand von D. Haze The Blaze (flamingofarm). Eine bunte Mischung angesagter DJ’s und DJanes legen im Museum an den AFTER HOURS einmal im Monat auf und sorgen für Stimmung auf dem Münsterhügel.

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AFTER HOURS – Chillen im Museum
18:00 – 23:00 Uhr, Eintritt frei

07.12.2023
D.Haze The Blaze (aka Nic Plesel flamingofarm) (CH)
Klub der Klugscheisser, 20:00 – 21:00 Uhr, Eintritt frei

04.01.2024
DJs KDFA & FABOLOUS (FR / CH)

01.02.2024
DJs Shaka & The Haze (CH)
Klub der Klugscheisser , 20:00 – 21:00 Uhr, Eintritt frei

Weitere Daten
07.03.2024 / 11.04.2024 & 02.05.2024 (Details folgen)

Ein Dino fürs neue Museum

14. Nov. 2023

Novartis überlässt dem Naturhistorischen Museum Basel imposantes Dinoskelett

Das Skelett eines Allosaurus fragilis, das seit 2015 auf dem Novartis Campus ausgestellt ist, wird dereinst in den Neubau des Naturhistorischen Museums Basel im St. Johann umziehen. Damit rückt das Skelett näher in den Fokus der Bevölkerung und Wissenschaft. Bis es soweit ist, bleibt es am jetzigen Standort auf dem Novartis Campus. Novartis überlässt dem Museum das imposante Dinoskelett als Dauerleihgabe.

Mit der Öffnung des Novartis Campus und dem Bau des neuen Naturhistorischen Museums in unmittelbarer Nähe zu Novartis beim Vogesenplatz ergeben sich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Eine augenfällige Bereicherung wird das Museum erfahren: Der Allosaurus fragilis, eine Art Popstar unter den Dinos, der seit über zehn Jahren im Besitz der Novartis ist, bekommt eine neue Bleibe und zieht ins Naturhistorische Museum Basel um. Damit bringt Novartis das seltene Skelett näher zur Wissenschaft und zur Bevölkerung. Novartis überlässt das Präparat dem Museum als Dauerleihgabe. Der «Umzug» des Skeletts findet statt, sobald das neue Museum fertig erstellt und bezugsbereit ist. Bis dahin verbleibt der Allosaurus auf dem Novartis Campus und ist nicht öffentlich zugänglich.

Ein besonderes Skelett
Das rund zehn Meter lange und 2,8 Meter hohe Skelett eines Allosaurus fragilis wurde in Wyoming, USA gefunden. Dort war es in der bekannten Morrison Sandstein-Formation während Millionen von Jahren eingebettet. Es wurde in der Nähe der Fundstelle entdeckt, in der das Skelett des Langhals-Dinosauriers freigelegt wurde, das 2019 vom Naturhistorischen Museum Basel erstanden wurde.
Das Skelett des Allosaurus, vermutlich ein Weibchen, ist rund 150 Millionen Jahre alt und bis zu 70% vollständig.

Jäger aus der Jurazeit
Vor 150 Millionen Jahren, 75 Millionen Jahre bevor die Dinosaurierart T. rex die Bühne betrat, standen Allosaurier an der Spitze der Nahrungskette und waren gefürchtete Jäger. Stegosaurier, junge Diplodociden oder andere Dinosaurier gehörten zu ihrer bevorzugten Beute. Allosaurier lebten in trockenem, warmen Klima, häufig in sumpfigen Gebieten mit Auenwäldern.

Sonderausstellung "SEXY - Triebfeder des Lebens"

08. Nov. 2023
Triebe, Tänze und Techtelmechtel im Tierreich

In der neuen Sonderausstellung «SEXY – Triebfeder des Lebens» im Naturhistorischen Museum Basel dreht sich alles um das Thema Fortpflanzung im Tierreich. Für den Kampf um das Objekt der Begierde sind Tiere mit unterschiedlichen Waffen und verführerischen Ornamenten ausgerüstet. Tierische Verhaltensweisen, Paarungsarten und Familienmodelle sind äusserst vielfältig. Warum? Weil es Geschlechter gibt. Die Ausstellung ist für Familien und Erwachsene konzipiert. Sie basiert auf der vom Liechtensteinischen Amt für Umwelt erstellten Ausstellung «Sexperten» und ist vom Basler Ausstellungsteam ergänzt und weiterentwickelt worden.

Die Welt der Tiere ist farbenprächtig und formenreich. Warum ist das so? Unterschiedliche Geschlechter, die sich für die Fortpflanzung zusammentun, sind ein Grund dafür. Was ihre biologischen Merkmale und ihre Interessen angeht, unterscheiden sie sich voneinander. Ob bei der Partnerwahl, der Konkurrenz zwischen Geschlechtsgenossen, der Paarung oder der Elternrolle: Geschlechterunterschiede der Tiere treiben die Evolution an mit dem Ergebnis einer grossartigen Vielfalt.

Das Geschlecht als Taktgeber
Die Sonderausstellung «SEXY – Treibfeder des Lebens» veranschaulicht diese Vielfalt und zeigt auf, welche Rolle Geschlechter dabei spielen. Dabei zeigt sich: Manche Tiere haben zwei Geschlechter, andere keines oder gar mehrere. Es gibt Tiere, die ihr Geschlecht wechseln oder gleichzeitig über zwei Geschlechter verfügen. Allen gemeinsam bleibt: Sie wollen Nachkommen zeugen. Mit verblüffenden Geschichten, beeindruckenden Präparaten und interaktiven Elementen führen wir vor Augen, dass Tiere keinen Aufwand scheuen, um Nachkommen in die Welt zu setzen: Sie tanzen um die Wette, zeigen sich in ihrem prächtigsten Kleid und geizen nicht mit ihren Reizen. Sie legen sich unerschrocken mit ihrer Konkurrenz an, um die Lust des Stärkeren zu geniessen und am Ende als fürsorgliche Eltern über ihre Jungtiere zu wachen. Doch auch hier folgt die Rollenverteilung nicht immer einem eindeutigen Muster: Familienmodelle im Tierreich sind der Zeit voraus und kennen längst unterschiedliche Formen.

Familienausstellung mit Vertiefungsebene für Erwachsene
Die Ausstellung ist für Kinder und Erwachsene gleichermassen spannend: Während wir Erwachsene über die Vielfalt der Paarungsarten und über Lust und Frust beim Liebesspiel der Tiere in Staunen versetzen, können Kinder ausprobieren, wie es sich anfühlt, im Schutz eines Bauches, Eis oder Beutels heranzuwachsen. Anhand zahlreicher Präparate von Jungtieren wird erzählt, wie diesen der Start ins Leben gelingt und wer ihnen den Weg ebnet, um erwachsen zu werden.

Die Ausstellung basiert auf Objekten und der Grundidee der Sonderausstellung «Sexperten» des Liechtensteinischen Landesmuseums und des Amts für Umwelt Liechtenstein.

Klub der Klugscheisser und andere Überraschungen im Rahmenprogramm
Die Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum Basel wird von einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Nebst den regelmässigen Führungen für Erwachsene und Familien, einem Familiensonntag oder Inklusionsangeboten fallen mit dem «Klub der Klugscheisser» alle Hemmungen. In diesem Wettbewerb vor Publikum punktet diejenige, die wissenschaftliche Thesen überzeugend erläutert und am besten argumentiert.

Dank einer Kooperation mit dem Zoo Basel können zwei Fokusführungen im Dialog zwischen Kuratoren des Zoos und des Museums angeboten werden, eine weitere Führung mit einem externen Experten findet mit dem Biologen Daniel Haag-Wackernagel statt, dem «Anwalt der weiblichen Lust». Ebenfalls mit von der Partie ist der Tänzer Armando Braswell mit seinem Braswell Arts Center. Er leitet die Besuchenden in einer Videoinstallation in der Ausstellung zum Tanzen an und bereichert die Vernissage mit einer Tanzeinlage.

After Hours im Museum
Geturtelt werden kann zudem einmal im Monat, wenn von Dezember 2023 bis Mai 2024 die AFTER HOURS auf dem Programm stehen. Die Sonderausstellung kann an diesen Abenden bis 23.00 Uhr kostenlos besucht werden. Zudem verwandelt sich ein Ausstellungsraum des Museums in eine stimmungsvolle Bar, in der man seinen Feierabend bei launigem Sound und in guter Gesellschaft geniessen kann.

Buntbarsche im Viktoriasee

05. Okt. 2023
Explosion der Biodiversität dank Recycling-Erbgut

Was normalerweise eine halbe Ewigkeit dauert, ist im Viktoriasee innerhalb kurzer Zeit geschehen: Aus drei Stammarten von Buntbarschen haben sich in nur 16‘000 Jahren über 500 neue Arten entwickelt. Eine in der renommierten Zeitschrift Science publizierte Studie, an der David Marques vom Naturhistorischen Museum Basel mitwirkte, liefert nun die Erklärung: Diese Explosion der Biodiversität passierte dank wiederholter Neukombinierung des vorhandenen Erbmaterials.

Warum neigen manche Familien im Tierreich zu schneller Artenbildung und andere nicht? Diese Frage untersuchte ein Team um Ole Seehausen und Joana Meier vom Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag und der Universität Bern in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Basel. Im Zentrum des Interesses standen die Buntbarsche im Viktoriasee, die dafür bekannt sind, am schnellsten und umfangreichsten neue Arten gebildet zu haben. In einer jüngst in der Wissenschaftszeitschrift Science publizierten Studie liefert das Forscherteam nun Antworten dazu, wie es dazu kommen konnte.

Am Anfang stand eine Katastrophe
Gegen Ende der letzten Eiszeit vor rund 20‘000 Jahren trocknete der im Osten Afrikas gelegene Viktoriasee aus. Vom einst grössten See Afrikas waren nur noch vereinzelte Sumpfgebiete in einer grossen Savanne vorhanden. Als sich das ehemalige Seebecken vor 16‘000 Jahren wieder mit Wasser füllte, kehrten Überlebende zurück: Drei Buntbarschlinien aus den Zu- und Abflüssen des Sees sowie dem Einzugsgebiet der im Westen gelegenen Seen des ostafrikanischen Grabens. Als sie den Viktoriasee vor 16‘000 Jahren wieder besiedelten, pflanzten sie sich miteinander fort. Dadurch vermischte sich ihr Erbgut. Erneut, denn bereits ihr gemeinsamer Vorfahre ging aus der Vermischung aus Buntbarscharten aus den Oberläufen von Kongo und Nil vor 350‘000 Jahren hervor.

Genanalysen bringen es ans Licht
Um die Evolutionsgeschichte der Buntbarsche im Viktoriasee zu rekonstruieren, analysierte Joana Meier für die neue Science-Studie mehr als 460 Genome von ostafrikanischen Buntbarschen. 288 Genome stammten von 120 Arten, die mit einer Ausnahme alle bekannten Buntbarsch-Gattungen und ökologischen Rollen im Viktoriasee vertreten; dazu kamen Genome von anderen Buntbarsch-Arten aus der Region der Afrikanischen Grossen Seen.
Die Analyse hat nun ergeben: Der enorme Artenreichtum ist das Resultat wiederholten Erbgut-Recyclings. Die heutige Artenvielfalt des Viktoriasees ist nicht aus anderen Seen „eingewandert“, sondern geht auf die Vermischung der Überlebenden in der Anfangszeit des heutigen Viktoriasees vor 16‘000 Jahren zurück. In dieser kurzen Zeit haben sich aus drei rund 500 neue Arten gebildet, dies durch Neukombinationen des in den drei Stammarten vorhandenen Erbmaterials.

Neukombination statt zufällige Mutation
Obwohl alle Buntbarscharten im Viktoriasee nahe miteinander verwandt sind, haben sie sich auf die unterschiedlichsten Lebensweisen spezialisiert und diverse ökologische Nischen besetzt. Die Wiederholung der Artvermischung und Artbildung war dabei zentral. So entstand zum Beispiel aus der Vermischung von grossen Prädatoren und kleinen Planktonfressern eine neue Lebensweise, die der Zwergprädatoren, die heute viele Arten umfasst. „Diese Wiederholung von Arten-Fusion und Arten-Spaltung half dabei, dass immer neue, noch extremere ökologische Nischen erobert werden konnten“, so David Marques vom Naturhistorischen Museum Basel und Co-Autor der Studie. Die Erbgutfusion habe dabei ein Warten auf zufällige, neue Mutationen für die Anpassung an neue Nischen überflüssig gemacht. „Die vielen neuen, spezialisierten Arten entstanden so in Windeseile“, erklärt Marques.

Erbgut-Recycling macht’s möglich
Die Wiederholung von Fusion und Spaltung – vor 350‘000 Jahren zwischen Kongo und Nil, von Überlebenden nach der Trockenzeit vor 16‘000 Jahren und seither innerhalb des Viktoriasees – erklärt, weshalb diese Buntbarsch-Linie zur Meisterin der schnellen Artentstehung wurde. Nicht nur im Viktoriasee, sondern auch in den nahen Afrikanischen Grossen Seen stammt nämlich der Grossteil der Fischvielfalt vom Erbgut-Recycling dieser Buntbarsche ab.

Publikation: Meier, J. I.; McGee, M. D.; Marques, D. A.; Mwaiko, S.; Kishe, M.; Wandera, S.; Neumann, D.; Mrosso, H.; Chapman, L. J.; Chapman, C. A.; Kaufman, L.; Taabu-Munyaho, A.; Wagner, C. E.; Bruggmann, R.; Excoffier, L.; Seehausen, O. (2023) Cycles of fusion and fission enabled rapid parallel adaptive radiations in African cichlids, Science Vol. 381, Issue 6665
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